weiter zu shop.espen.de
 
  weiter zu espen-wohnen.de
 
Eibenstr. 18-20
61118 Bad Vilbel 
Mo. - Fr.: 8.00 Uhr - 18.30 Uhr
Sa.: 10.00 Uhr - 15.00 Uhr
 
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Telefon: +49-(0)6101 80226 0
Fax: +49-(0)6101 80226 20
Wir liefern und versenden weltweit.
 
FSC-Zertifikat
Sie erhalten Produkte aus naturnaher Forstwirtschaft: vielfach mit dem vom WWF empfohlenen FSC®-Nachweis. Unser Betrieb ist FSC®-zertifiziert (Nr. BV-CoC-116242).

Alternative Hölzer - woher? wofür?

Gegen Ende des ausgehenden Jahrtausends tragen weltweit bereits 18 Millionen Hektar das Gütezeichen des Forest Stewardship Council (FSC). Dies entspricht in etwa der doppelten Waldfläche der Bundesrepublik Deutschland. Die zertifizierte Waldfläche erstreckt sich auf alle Kontinente und schätzungsweise 30 Länder.

Angesichts dieser Zahlen könnte man annehmen, daß nunmehr die für Spezialanwender, wie Instrumentenbauer oder Drechsler, wichtigen Hölzer dauerhaft und gesichert zu haben sind und das aus einer ökologisch wie sozial vorbildlichen Waldwirtschaft.

Leider ist dies nicht der Fall. Warum? Nun, die Antwort ist einfach: die Mehrzahl der nach FSC zertifizierten Wälder befinden sich in Regionen, in denen die bewährten und gesuchten Hölzer nicht oder nur in geringem Umfang vorkommen. Dies trifft im besonderen zu für Spezialhölzer aus Übersee. So ist bisher keine einzige Waldfläche zertifiziert, auf der Fernambuc, Palisander oder Grenadill anzutreffen wären. Während es für Baumarten von großer Verbreitung, wie beispielsweise Fichte, Buche oder Eiche gleich mehrere zertifizierte Quellen gibt, ist dies bei tropischen Holzarten anders. Hier klaffen erhebliche Lücken zwischen Angebot und Nachfrage. Während im Amazonas-Gebiet einige Unternehmen auf eine planmäßige und überprüfbar nachhaltige Wirtschaft umstellen - und damit berechtigt sind, das FSC-Gütezeichen in der Vermarktung zu nutzen - , wird man die Holzart Fernambuc nur weit außerhalb dieser Regionen antreffen und dort sind, zumindest bis heute, keine konkrete Bemühungen erkennbar, die Wirtschaftsweise nachhaltig zu gestalten und durch unabhängige Dritte zertifizieren zu lassen.... Nimmt man den zentralamerikanischen Raum, so sind bereits in Mexiko, Guatemala, Honduras und Costa Rica Wälder nach FSC zertifiziert, doch ist der aus der Region stammende Honduras Palisander nicht in diesen (zertifizierten) Flächen heimisch. Honduras Palisander und dessen verwandte Holzart Cocobolo sind mit FSC-Zertifikat nicht zu haben.

Neben der forstgeografischen Dimension ist auch der Aspekt der dauerhaften Verfügbarkeit innerhalb des zertifizierten Betriebes von Bedeutung. Konkret stellen sich hier viele Fragen. Wie viele Bäume einer bestimmten Art sind in einem Wald vertreten? Wie viele dieser Bäume dürfen unter Berücksichtigung der natürlichen Verjüngung (Regeneration) geerntet werden? Ist eine Baumart in einer bestimmten Region so häufig wie "Haare auf dem Hund" oder ist es eher eine Art, die zu den untergeordneten, weniger gut vertretenen Spezies zählt? Der Copal-Baum ist ein solches Beispiel. Von dieser Holzarten werden oft nur wenige Exemplare pro Flächeneinheit angetroffen. Diese Art ist in ihrer Waldgesellschaft etwa so häufig anzutreffen wie die Waldkirsche oder Winterlinde in unseren Wäldern; ist also ausgesprochen "dünn gesät" und kann nur gelegentlich bereitgestellt werden.

Beide angesprochenen Aspekte führen zu der Feststellung, daß es um die Verfügbarkeit von Spezialhölzern nicht zum besten steht, besonders dann nicht, wenn diese Hölzer das FSC-Logo tragen sollen. Deshalb werden Alternativen unvermeidlich. Konkret bedeutet dies die Suche nach Austauschhölzern.

Geeignete Austauschhölzer zu finden, ist ein trockner, wenig aufregender Prozess. Es geht darum, zunächst Inventur zu machen und zu schauen, "was wo wächst". Der erste Schritt besteht darin, die einzelnen Baumarten einer Waldgesellschaft kennenzulernen und abzuklären, welche Mengen, Qualitäten und Abmessungen dauerhaft verfügbar sind. Auf der anderen Seite geht es darum, die Anforderungen der Verarbeiter möglichst genau zu erfassen. Welche optischen, mechanischen oder akustischen Eigenschaften müssen vorhanden sein, um einen speziellen Anwender zufriedenzustellen? Welche Abstriche vom bestehenden Anforderungsprofil sind eventuell möglich? Und schließlich: wie ist das Preisniveau für am Markt etablierte Hölzer, die zu substituieren sind?

Die Herausforderung für den alternativen Holzhandel besteht darin, dauerhaft verfügbare Hölzer (Angebotsseite) mit der bestehenden Nachfrage in Einklang zu bringen. Das klingt banal, ist aber in der Praxis etwa so einfach, wie das Kamel durch's Nadelöhr springen zu lassen!

Hinsichtlich der Offenheit für neue Holzarten (Austauschhölzer) wird die Hitliste eindeutig vom Endverbraucher geführt. Der Holzartenunkundige geht nach dem Auge, nach seinem intuitiven Blick für Qualität, Design und Gesamterscheinung. Wenn obendrein das Preis-Leistungsverhältnis stimmt, wird gekauft, egal um welche Holzart es sich handelt. Bestes Beispiel sind Gartenmöbel.

Auf Platz 2 der Hitliste rangieren Planer von Außenbauanlagen. Hier kommt es auf Witterungsbeständigkeit, Stehvermögen und Optik an. Wenn es eine unbekannte Holzart ist, muß dies kein Nachteil sein, wenn das Material nur hart, optisch attraktiv und dauerhaft ist!

Schon gehörig anspruchsvoller, aber dennoch offen für Neues sind die Hersteller von Musikinstrumenten! Diese belegen Rang 3 der Hitliste.

Innerhalb dieser facettenreichen Zunft führen die Gitarrenbauer an. Ihnen folgen andere, wie die Hersteller von Flöten, Klarinetten, Streichbögen und Marimbas. In dieser Branche pendelt der Hersteller zwischen Risikominimierung ("nur keine Flops, bitte") und dem auch in dieser Branche sich breitmachenden Innovationszwang, ausgelöst von meist ausländischen Trendsettern, die mit dem richtigen Endorser auch schon mal einen Zusammenhang herstellen zwischen der Konferenz von Rio und dem bewußten Verzicht auf Rio-Palisander beim E-Bass. STING macht's vor: der richte Klang kommt auch auf einer Gitarre aus mexikanischer Kirsche, aus FSC-Herkünften, versteht sich ....

Im folgenden werden dreizehn Holzarten vorgestellt, die hinsichtlich ihrer Eigenschaften und ihrer Verfügbarkeit gute Voraussetzungen bieten, in dem einen oder anderen Anwendungsbereich angenommen zu werden. Teilweise haben sie die erste Nagelprobe bereits bestanden... Die Beschreibung beruht auf firmeninternen Analysen, Erfahrungen von Kunden, Kollegen und auf Angaben aus der Fachliteratur. Die Angaben sind in Form von technischen Datenblätter bei ESPEN in Schriftform erhältlich oder können im Kapitel "Ecotimber" eingesehen und heruntergeladen werden.

Alle Angaben sind ohne Anspruch auf Vollständigkeit sowie ohne Gewähr.

 

Chakte Kok - Red Heart (Sickingia spp.)

ungewöhnlich auffälliges Holz von korallroter Farbe. Chakte Kok heißt in der Maya-Sprache " der Kamm des Hahnes" - entsprechend seiner Farbe. Das Stehvermögen von abgelagertem Holz ist gut, die Bearbeitbarkeit unproblematisch; allerdings sind UV-schützende Anstriche erforderlich, um den schrillen Farbton zu erhalten. Andernfalls verblaßt das Holz und wird birnbaumfarben. Verwendung: Böden & Zargen von klass. Gitarren, Aufleimer von E-Gitarren, Möbel, Drechslerartikel.

 

Cumaru (Dipteryx spp.)

schlichtes, von der Grundfarbe her braunes Holz mit auffällig verschlungenem Faserverlauf. Guter Ersatz für Bongossi und Bangkirai in der Außenverwendung. Hohe Formbeständigkeit und hervorragende Pilzresistenz.

 

Granadillo (Platymiscium spp.)

in Mittelamerika auch Marimbaholz genannt wegen seiner besonderen Klangeigenschaften, nicht zu verwechseln mit ostafrikanischem Grenadill, einer Dalbergia-Art. Das palisanderähnliche Holz kann für akustische Gitarren (Korpus, Griffbretter) Verwendung finden, ebenso für Blasinstrumente. Allerdings sind die verfügbare Mengen und Abmessungen begrenzt, so daß es für Großserien nicht in betracht kommen wird.

 

Jatobá (Hymenea courbaril)

attraktives, von der Grundfarbe her rotbraunes Holz mit streifigem Farbspiel. Hervorragender Ersatz für Bangkirai in der Außenverwendung. Hohe Formbeständigkeit und hervorragende Pilzresistenz. Darüber hinaus Einsatz in der Möbel- und Parkettproduktion.

 

Katalox Violettholz (Swartzia cubensis)

dicht und schwer wie Ebenholz hat Katalox ohne Frage seinen Platz als Austauschholz für Griffbretter, Stege und andere Bestandteile von Saiteninstrumenten. Anfänglich violettfarben, reift es am Licht zu einem quasi schwarzen Hartholz von hervorragender Beständigkeit. 

 

Machiche (Lonchocarpus spp.)

hartes, rotbraunes Holz in der Grundfarbe von "gereiftem" Mahagoni. In Nordamerika wird Machiche (sprich Matschitsche) der Aussprache halber auch als Mexican Cherry bezeichnet, obgleich die Art mit Kirschholz nichts zu tun hat. Der Klang der akustischen Gitarre ist härter als der eines Instrumentes mit Mahagoni-Korpus. Bearbeitbarkeit und Stehvermögen sind einwandfrei. Machiche ist ein interessantes Austauschholz für echtes Mahagoni, Sipo und Sapelli. Gute Eignung auch im Möbelbau. Wegen der Witterungs-Beständigkeit sind selbst Verwendungen im Außenbau möglich, obgleich zu kostbar.

 

Morado / Caviuna / Santos Rosewood (Machaerium spp.)

Dekoratives und in weiten Teilen Südamerikas geschätztes Ausstattungsholz. Auch in Europa als Möbel- und Furnierholz bekannt ("Santos-Palisander"). Heute sind bekannte Anwendungen reduziert auf den Instrumentenbau, Besteckgriffe und Drechslerartikel.

 

Muirapiranga / Satiné / Bloodwood (Brosimum brasiliensis)

tiefrotes, gleichmäßig strukturiertes, homogenes Holz ohne Streifen. Schlicht, lichtbeständig. Hohe Formbeständigkeit und hervorragende Pilzresistenz. Wegen der geringen verfügbaren Mengen nur eingeschränkte Verwendung möglich. Instrumentenbau (Bögen!).

 

Padouk (Pterocarpus spp.)

Padouk ist zwar keine dominierende Baumart in seinem natürlichen Verbreitungsgebiet, dennoch sind die lieferbaren Mengen umfangreich und stetig verfügbar. Lieferbar sind gute Qualitäten aus zwei Herkünften: aus dem Pazifik und aus Ostafrika. Während Salomon Padouk (Narra) eine eher honiggelbe Grundfarbe aufweist, versetzt mit gelegentlich roten Streifen, ist das ostafrikanische Padouk (Muninga) eher nußbaumfarben und dichter. Beide Arten werden, besonders bei geriegeltem Wuchs für Instrumente und höherwertiges Parkmobiliar eingesetzt. Parkett, Dielen und hochwertige Bauelemente sind ebenfalls möglich

 

Peroba Rosa (Aspidosperma spp.)

Das rosé- bis birnbaumfarbene Holz ist optisch und verarbeitungstechnisch sehr ansprechend. Es wird vielseitig verwendet für Möbel, Instrumente (Aufleimer E-Gitarren, Flöten und Klarinetten) sowie für Parkett. Die Verfügbarkeit ist gut; besonders dekorativ sind Stücke mit wildgeformtem Wechsel Kern-Splintholz.

 

Tzalam (Lysiloma spp.)

in Dichte, Farbe und Bearbeitbarkeit europäischem Nußbaum sehr verwandt. In den USA wird Tzalam ungenauer Weise auch als "Mexican Walnut" bezeichnet. Die Verarbeitung wird von Praktikern als unproblematisch beurteilt. Bisher erfolgreich bei klass. Gitarren, bei Möbeln und als Parkettholz.

 

Vitex / Leban (Vitex cofassus)

beige-braunes, homogenes Holz von hohem Stehvermögen. Insgesamt schlicht. Hervorragend im Außenbau. Allerdings besteht die Gefahr der Auswaschung von gelben Inhaltsstoffen unmittelbar nach der Installation. Hierauf wird besonders in den technischen Merkblättern hingewiesen.
Verwendung: Garten- und Landschaftsbau, Brückenbeläge, Pergolen.

 

Verfasser: J. Jordan, Dipl.-Holzwirt, M.sc.forest.trop.